Hunde
Informationen
zu Hunden und ihrer Haltung
Das Bewusstsein der Menschen hat sich glücklicherweise im Laufe der Zeit verändert, artgerechte Haltung hat an Wert zugenommen. Mir liegt es am Herzen Tierhalter aufzuklären und so zu einem besseren Verständnis, einem harmonischen Miteinander und zu Gesundheit und Wohlbefinden Ihres Tieres beizutragen. Deshalb habe ich die grundlegendsten Themen zu Hunden und ihrer Haltung hier für Sie zusammengefasst.
Lernverhalten und Erziehungsmethoden
Allgemeines über Lerntheorien und Erziehungsmethoden und den Weg zum harmonischen Miteinander
Der Organismus eines Säugetieres unterliegt automatisierten physiologischen und neurophysiologischen Abläufen, dessen Steuerung vom Gehirn übernommen wird. Dies ermöglicht es ihm, komplexe Aufgaben und Lebenssituationen zu bewerkstelligen und sein eigenes Leben und Überleben, sowie das seiner Nachkommen, sicherzustellen.
Verhalten wird durch Genetik, frühe Sozialisation, Lernerfahrungen und Umweltbedingungen geprägt und folgt einer natürlichen Kosten-Nutzen-Bilanz (biologische Fitness). Diese wurde von Nikolaas Tinbergen näher beschrieben und besagt, dass Tiere nur dann ein Verhalten ausführen, wenn der evolutionäre Nutzen, wie beispielsweise mehr Energie, Sicherheit oder Fortpflanzungschancen, die kurzfristigen Kosten (Energieaufwand, Zeit, Risiko) überwiegt.
Jedes Verhalten erfüllt eine bestimmte Funktion (Motivation, innerer Antrieb). Das Lernverhalten des Hundes bedeutet eine Ansammlung von Erfahrungswerten, welche als positive oder negative Erfahrung abgespeichert werden. Es kann anhand der Lerntheorien erklärt werden:
Lernen nach Versuch und Irrtum (E. L. Thorndike) bezeichnet das Lernen anhand der Erfahrung über Erfolg und Misserfolg angewandter Verhaltensstrategien.
Generalisierung beschreibt den Prozess einer erlernten Reaktion (Verhalten, Emotion, physiologische Reaktion) nicht nur auf den ursprünglich konditionierten Reiz, sondern auch auf ähnliche Reize und Situationen. Dieser Vorgang erhält große Bedeutung für erwünschte und unerwünschte Verhaltensweisen sowie der im Zusammenhang stehenden emotionalen Lage.
Diskriminationslernen bezeichnet die Fähigkeit, (feine) Unterschiede sich ähnelnder Reize und Situationen zu erkennen, ihre Gesetzmäßigkeit anhand von Erfahrungen herauszufinden und über diese zu lernen (Unterscheidungslernen). Auch diese Form des Lernens ist für erwünschte und unerwünschte Verhaltensweisen sowie der im Zusammenhang stehenden emotionalen Lage von Bedeutung. Die erlernte Reaktion (Verhalten, Emotion, physiologische Reaktion) findet in weiterer Folge auf den spezifischen Reiz in der spezifischen Situation statt.
Imitationslernen bezeichnet das Lernen über Nachahmung und orientiert sich an Vorbildern (soziales Lernen). Hunde lernen von ihren Elterntieren, Geschwistern, Artgenossen und anderen Lebewesen notwendige, brauchbare, erwünschte sowie unerwünschte Verhaltensweisen (Vorbildfunktion). Dieser Fähigkeit folgt der Trainingsansatz "Do as I do - mach es mir nach", dessen Interesse im Hundetraining sich steigender Beliebtheit erfreut.
Klassische Konditionierung (I. Pawlow) bezeichnet die Form emotionalen Lernens. Nach der Verknüpfung mit einem zunächst neutralen Reiz löst dieser in weiterer Folge Gefühle und Assoziationen aus. Die daraus resultierenden Reaktionen sind willentlich nicht steuerbar. Ausgelöste Gefühle wirken sich also in zweiter Linie auf das Verhalten aus und beeinflussen dieses, wobei negative Emotionen unwillkürlich negative Reaktionen hervorbringen. Die emotionale Erfahrung kann also als emotionales Reiz-Reaktionsmuster angesehen werden. Sie ist immer Teil im Lernprozess und deshalb als vordergründig anzusehen, auch wenn auf Verhaltensebene gearbeitet wird.
Die weltbekannten Versuche mit Hunden von Iwan Pawlow begründeten die Lerntheorie der klassischen Konditionierung (Glocke - Futter, Glocke - Speichelfluss). Manches Angstverhalten und konditionierte Entspannungsmethoden basieren auf dieser Art des Lernens, aber auch im Clickertraining findet sich ihre Anwendung (Aufbau des Clickers/Markers).
Operante (oder instrumentelle) Konditionierung (B. F. Skinner) bezeichnet das Lernen anhand der Konsequenz eines Verhaltens. Die 4 möglichen Konsequenzen (Quadranten) der operanten Konditionierung sind:
- positive Verstärkung:
etwas Angenehmes wird hinzugefügt (lohnenswert, Belohnung) - Verhalten wird mehr
- negative Strafe:
etwas Angenehmes wird weggenommen (strafend, Strafe) - Verhalten wird weniger
- negative Verstärkung:
etwas Unangenehmes wird weggenommen (lohnenswert, Belohnung) - Verhalten wird mehr
- positive Strafe:
etwas Unangenehmes wird hinzugefügt (strafend, Strafe) - Verhalten wird weniger
Eine Belohnung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Verhalten öfter gezeigt wird, Strafe erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Verhalten seltener gezeigt wird. Ob ein Lebewesen nun etwas als lohnenswert (Belohnung, Verstärkung) oder als strafend (unangenehm) empfindet, sich sein Verhalten daher häuft oder reduziert, richtet sich nach seinen individuellen Bedürfnissen, Vorlieben, Abneigungen, seiner aktuellen Motivation und seiner Erfahrungen.
Belohnungs- und Bestrafungssysteme weisen Unterschiede in ihrer Nachhaltigkeit auf: Der Hund versucht zwar (wie jedes Säugetier) einer Strafe (unangenehmen Konsequenz) zu entgehen, versucht aber Gesetzmäßigkeiten herauszufinden - weshalb unerwünschtes Verhalten immer wieder auftritt wenn es die Situation zulässt und Intensität und Ausmaß der Strafe nicht heftig genug waren (natürliche Kosten-Nutzen-Bilanz nach dem Prinzip des Unterscheidungslernens). Aus diesem Grund ist aus tierschutzrechtlicher und tierethischer Sicht das Arbeiten (wie auch Erziehung) über Belohnungssysteme (positive Verstärkung) einer Strafmaßnahme (Anwendung von Strafe und unangenehmen Konsequenzen) vorzuziehen, zumal lohnenswertes Verhalten immer häufiger, immer schneller und immer verlässlicher gezeigt wird und somit nachhaltiger ist.
Die Anwendung positiver Strafe erscheint in Ausnahmefällen unumgänglich und durchaus als sinnvoll - nämlich dann, wenn der Hund durch sein Verhalten sich selbst in Gefahr bringt oder eine unmittelbare Gefahr für seine Umwelt darstellt, der Hundeführer (Hundehalter) die Gefahrensituation nicht zeitgerecht erkannt hat, diese nicht anders abzuwenden ist und die Situation akut nicht anders bewältigbar erscheint. (Beispiele: Hund ist im Begriff auf die befahrene Straße zu laufen; Hund ist im Begriff einen Menschen oder ein anderes Tier zu beißen weil Distanzen und Grenzen überschritten wurden oder Übergriffigkeiten seitens des Hundeführers verkannt oder geduldet wurden)
Voraussetzungen für die Anwendung positiver Strafe (nach Steve White) :
Die Strafe muss etwas sein, das das Tier nicht mag, zunächst nicht erwartet und muss das Verhalten unterdrücken (Definition von Strafe). Sie muss daher in der richtigen Intensität (Ausmaß) stattfinden - sonst können Widerstand und Gewöhnungseffekte entstehen. Das Tier muss die Strafe mit dem falschen, unerwünschten Verhalten in Verbindung bringen. Der Zeitpunkt der Strafmaßnahme (Konsequenz) muss also so präzise wie möglich eingehalten werden und sofort mit bzw. unmittelbar nach dem Verhalten erfolgen (Timing). Zudem müsste die Strafe jedes mal erfolgen, wenn das falsche, unerwünschte Verhalten gezeigt wird. Sie sollte gegenüber der Belohnung jedoch nicht überwiegen. Es sollte eine Möglichkeit für das Tier gegeben sein, der Strafe entgehen zu können, was alternative Verhaltensweisen und die Ankündigung der bevorstehenden Strafe als wichtig erscheinen lässt.
So kann die Anwendung positiver Strafe so einige unerwünschte Nebenwirkungen nach sich ziehen.
mögliche Nebenwirkungen positiver Strafe (nach Pat Miller) :
Oftmals ist es sehr schwierig die "richtige" Intensität (passendes Ausmaß) der Strafe abzuschätzen und einzuhalten. Dies kann zu Schmerzen, Schäden, zur Gewöhnung an Strafmaßnahmen (Strafreize, Maßregelung und unangenehme Konsequenzen) oder Widerstand des Hundes führen. Da es sehr schwierig ist den richtigen Zeitpunkt der Strafe immer konsequent einzuhalten, kann das falsche, unerwünschte Verhalten wieder auftreten. Die unterdrückende Wirkung der Strafmaßnahme (Strafreize, Maßregelung und unangenehme Konsequenz) ist auf relevante Gegebenheiten beschränkt, z. B. auf die Anwesenheit und unmittelbare Nähe des Halters. Nicht nur, dass positive Strafe Gewalt erzeugt und "belohnend" auf die strafende Person wirkt, sie kann das Vertrauen des Hundes zum Menschen und die Beziehung zum Halter nachhaltig schädigen. Positive Strafe (strafende, unangenehme Konsequenz) lehrt den Hund nicht was er anstatt des falschen, unerwünschten Verhaltens tun soll. Sie kann den Hund verunsichern, sodass auch erwünschte Verhaltensweisen gehemmt und unterdrückt werden.
Da die Voraussetzungen positiver Strafe nicht ausreichend erfüllt werden können und Nebenwirkungen unberechenbar groß sind, ist von ihrer Anwendung grundsätzlich abzuraten! Vielmehr ist es empfehlenswert, Regeln und Grenzen im gemeinsamen, gesellschaftlichen Zusammenleben klar zu definieren, einen vorausschauenden und souveränen Umgang zu pflegen, liebevolle Konsequenz walten zu lassen, dem Tier unter Berücksichtigung seiner Art und seiner Bedürfnisse erwünschtes Verhalten beizubringen und ihm fairerweise eine schrittweise Anleitung (Annäherung) hierfür zu bieten.
Die Belohnung - Arbeiten über Verstärker
über Belohnungen im Alltag und Training und ihre Anwendung
Die Ranking-List der Best-of-Belohnungen
Das Verhalten jedes Individuums wird von Erfolgen und Misserfolgen bestimmt. Eine Belohnung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Verhalten öfter gezeigt wird, es "verstärkt" Verhaltensweisen. Im Training spricht man daher von Verstärkern.
Ob ein Verhalten nun als lohnenswert (Belohnung) angesehen und empfunden wird, richtet sich nach seinen Bedürfnissen, Vorlieben, Abneigungen, der aktuellen Motivation (innerer Antrieb) und seiner persönlichen Erfahrungen und kann durchaus situationsabhängig sein.
Für das Training ist es daher sinnvoll, das Verhalten des Hundes und dessen Entwicklung genau zu beobachten. Zeigt er meidendes oder zögerliches Verhalten, Übersprungshandlungen oder Stresssignale, kann davon ausgegangen werden, dass die vermeintliche Belohnung von ihm nicht als solche empfunden wird. Häufig ist dies z. B. zu beobachten, wenn der Hund vom Halter herangerufen wird, anschließend mit Streicheleinheiten "belohnt" wird und der Hund sich in weiterer Folge seinem Halter zögerlich nähert. Aber auch eine geringere Wertigkeit der Belohnung (z. B. geringwertige Futterbelohnung, verbales Lob) gegenüber eines interessanteren, herausfordernden Reizes kann Ursache für zögerndes Verhalten oder Ungehorsam sein. Eine "Rankinglist der Best-of-Belohnungen" stellt daher ein hilfreiches Arbeitstool dar, in der die Wertigkeit von Belohnungen festgehalten und klassifiziert werden kann.
Die Belohnungen (Verstärker) selbst richten sich hierbei ausschließlich nach den individuellen Vorlieben und Abneigungen des Hundes, können aber situationsbedingt variieren. Belohnungen können Fressbares (z. B. Leckerlis), ein Spiel, Streicheleinheiten, Zuwendung oder Lob sein, aber auch natürliche Verstärker wie z. B. einem interessanten Geruch folgen oder zu seinem Spielfreund hinlaufen zu dürfen, können lohnenswerten Charakter für den Hund haben. Findet man auch innerhalb der einzelnen Belohnungskategorien unterschiedliche Wertigkeiten, erhält man eine große Bandbreite an Verstärkungsmöglichkeiten (Belohnungen) für seinen Hund. So können beispielsweise Käsestücke gegenüber Wurst- und Fleischstücken, ein Laufspiel gegenüber einem Zerrspiel, das Kraulen am Hinterteil gegenüber dem Streicheln auf der Brust, oder auch bestimmte Sorten oder bestimmte Spielzeuge bevorzugt werden.
Charaktertypische Verstärker (Belohnungen)
Auch Rasse, Charakter und Persönlichkeit des Hundes geben Anhaltspunkte für mögliche Verstärker (Belohnungen). Rassetypische Charaktereigenschaften sollten im Hundetraining unbedingt beachtet werden und beeinflussen allgemeine Vorlieben:
Sogenannte Aktionshunde, zu denen die meisten Arbeitsgebrauchshunde zählen, arbeiten unermüdlich und finden ihre Bestätigung (Belohnung) im Tun selbst, während Streicheleinheiten während der Arbeit von ihnen eher als störend empfunden, oder sogar gemieden werden.
Gefühlshunde gelten als sehr sensibel und sanft. Soziopositives Verhalten wie etwa Zuwendung, Lob und Streicheleinheiten nehmen sie häufig gerne als Bestätigung (Belohnung) an, wobei sie sehr auf die Stimmung (Emotion) reagieren, die mit der Belohnung transportiert wird.
Augenhunde nehmen schnell kleinste Veränderungen aus ihrer Umgebung wahr und reagieren besonders auf Bewegungsreize. Wie bei den Gefühlshunden, sollte besonders auf eine einladende, (hunde-)freundliche Körpersprache und Mimik geachtet werden. Wurf- und Jagdspiele können ihr Herz aufblühen lassen.
Aktive Hundetypen (A-Typen) gelten als extrovertiert, gesellig, neugierig, temperamentvoll, enthusiastisch und impulsiv. Bei bewegungsintensiven Belohnungsvarianten wie etwa einem Spiel (Lauf- oder Zerrspiele) sind sie in ihrem Element und finden auch mit verbalem Lob in überschwänglichen Tonlagen schnell ihre Bestätigung. Allerdings können sie mit ihrem Temperament und Enthusiasmus recht schnell über das Ziel hinausschießen. Sie erkunden gerne ihre Umgebung, weshalb solche natürlichen Verstärker durchaus als Belohnung eingesetzt werden können. Hochwertiger Futterbelohnung stehen sie oft gierig gegenüber.
Zurückhaltung, ruhiges, introvertiertes und abwartendes Verhalten zählen zu den Persönlichkeitsmerkmalen reaktiver Hundetypen (B-Typen). Um ihnen die Bestätigung zuteil kommen lassen zu können, benötigt es oft mehr Engagement und größerer Hingabe als gegenüber A-Typen. Futterbelohnungen dürfen gerne hochwertiger sein, Lob und Spielbelohnungen dürfen mit höherer Intension durchgeführt werden, ohne dass sie zu "futtergierig" werden oder schnell einmal überdrehen.
Auch bestimmen etwa Neurotizismus (emotionale Stabilität), Kooperationsbereitschaft und Berechenbarkeit (Gewissenhaftigkeit) Charakter und Persönlichkeit des Hundes (Big-5-Modell), weshalb manche Hunderassen kaum "bestechlich" scheinen. Besonders hochwertige Belohnungen (Best-of) können hier z. B. die Kooperationsbereitschaft steigern.
Zeitpunkt und Häufigkeit der Belohnung
Hat man passende Belohnungsvarianten für seinen Hund gefunden, ist neben dem Zeitpunkt der Belohnung die Belohnungshäufigkeit (Belohnungsfrequenz) für ein erfolgreiches, zielorientiertes Training relevant. Der Hund muss natürlich das richtige, erwünschte Verhalten mit der Belohnung in Verbindung bringen - was einen präzisen Belohnungszeitpunkt (Timing) voraussetzt. Das Arbeiten mit einem Markersignal erleichtert die Bestätigung zum richtigen Zeitpunkt. Für eine saubere Verknüpfung erfolgt die Belohnung unmittelbar (innerhalb von 0,3-0,5 Sekunden) auf das zu belohnende (zu verstärkende, erwünschte) Verhalten.
Für eine passende Belohnungshäufigkeit gilt als Faustregel: Je höher die Anforderung (Herausforderung) an den Hund, umso häufiger und engmaschiger sollte er für das erwünschte (zu verstärkende) Verhalten belohnt werden, solange er dieses zeigt. Bis der Hund das erwünschte Verhalten zuverlässig zeigt, sollte das erwünschte, zu verstärkende Verhalten jedes Mal belohnt werden (Immer-Verstärkung).
Hat der Hund verstanden, worum es geht und zeigt das erwünschte Verhalten immer verlässlicher, ist es an der Zeit auf variable Belohnung umzusteigen. Hierbei wird - unter der Berücksichtigung der sich dem Hund stellenden Herausforderung - nicht mehr jede richtige Ausführung des Hundes belohnt. Es erfolgt eine Belohnungshäufigkeit nach (errechneten) Durchschnittswerten - ohne ein für den Hund nachvollziehbares Schema.
Variable Belohnungen sorgen für die Zuverlässigkeit des Verhaltens. Der Hund zeigt das erlernte, belohnte Verhalten in hoffnungsvoller Aussicht auf die Belohnung immer wieder. So können Verstärker, wie Futter- oder Spielbelohnungen, ausgeschlichen und bald durch natürliche Verstärker wie z. B. Zuwendung, Lob und Anerkennung (soziopositives Verhalten) ersetzt werden.
Ernährung des Hundes
Die Wichtigkeit ausgewogener Ernährung und soziale Zusammenhänge, giftige Lebensmittel und Giftstoffe
Die Ernährung des Hundes sollte bedarfsgerecht und ausgewogen sein sowie Alter, Aktivitätsniveau und gesundheitliche Besonderheiten berücksichtigen. Sie beeinflusst unmittelbar Stoffwechsel, Organfunktionen und Verhalten. Wichtige Bestandteile der Hundenahrung sind Makronährstoffe wie Proteine, Fette und Kohlenhydrate und Mikronährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Der Energiegehalt des Futters sollte an das Alter, die Größe und Aktivität des Hundes angepasst sein. Die entsprechende Wasseraufnahme ist entscheidend für Stoffwechsel und Nierenfunktionen. Eine unzureichende Versorgung kann zu Mangelerscheinungen führen, die sich in Antriebslosigkeit, Nervosität oder erhöhter Stressanfälligkeit äußern. Eine Überversorgung hingegen, besonders in der Wachstumsphase, kann (irreversible) körperliche Schädigungen (z.b. Bewegungsapparat), innere Unruhe, Überaktivität oder gesteigerte Reizempfindlichkeit fördern.
Die Aufnahme bestimmter Lebensmittel zeugt auch von erheblicher Relevanz, besonders wenn es um Vergiftungen und Vergiftungserscheinungen geht. Sie stellen für Hunde ein lebensbedrohliches Risiko dar. Zu den giftigen Lebensmitteln für Hunde zählen:
- Xylit - z. B. Birkenzucker: bei Aufnahme drohen Hypoglykämie und akutes Leberversagen
- Schokolade, Kakao - der Wirkstoff Theobromin ist besonders in dunkler Schokolade zu einem großen Anteil vorhanden, eine kleine Menge kann bereits milde Vergiftungssymptome hervorrufen
- Kaffee, Energydrinks (Koffein) - verursacht Herzrasen, Unruhe und Krämpfe (epileptische Anfälle)
- Trauben, Rosinen - der genaue Wirkmechanismus scheint unbekannt, eine Wirkung zeigt sich individuell doch können bereits kleine Mengen zu akutem Nierenversagen führen
- Zwiebel, Knoblauch, Lauchgewächse (Allium-Arten) - oxidative Schädigungen und hämolytische Anämie können die Folge sein
- Avocado - der Wirkstoff Persin kann zu Erbrechen und Durchfall führen, eine problematische Wirkung wird meist in größeren Mengen angegeben
- Macadamianüsse - gelten als hochtoxisch für Hunde und können bereits in geringen Mengen zu Schwäche, Zittern, Erbrechen und Lahmheit führen
- Alkohol, alkoholhaltige Produkte - Hunde reagieren extrem empfindlich auf Ethanol, Erbrechen, Atemdepression oder Koma können die Folge sein
- rohes Schweinefleisch - eine Infektion mit dem Aujeszky-Virus zeigt sich in einem raschen Verlauf neurologischer Symptome und endet meist tödlich
Weitere giftige Substanzen:
- Rattengift, Antikoagulantien wie Warfarin, Brodifacoum - hemmt die Blutgerinnung und führt zu inneren Blutungen
- Blaukorn, Schneckenkorn (Metaldehyd) - Muskelzittern, Fieber und Krämpfe können auftreten
- Haushaltsreiniger, Frostschutz (Ethylenglykol) - haben Nierenversagen zur Folge
- Nikotin - kann Krämpfe und Atemstillstand hervorrufen
- Schmerzmittel Wirkstoff Paracetamol - verursacht Leberschäden und Blutschäden und ist besonders toxisch für Hunde
Futter dient Hunden jedoch nicht nur als Nahrungsquelle, sondern hat auch eine wichtige soziale Dimension – sowohl in Mehrhundehaltungen als auch in der Beziehung zum Menschen. Wird die Fütterung als unvorhersehbar, konfliktreich oder ungerecht erlebt, kann dies Stress, Unsicherheit oder aggressives Verhalten auslösen und sich in Rückzug oder Ressourcenverteidigung äußern. Durch (getrennte) Fütterung, bei der der Hund (bereits im frühen Welpenalter) lernt, das vorhandene Futterangebot nicht erkämpfen und verteidigen zu müssen, beugt einer Ressourcenthematik und Frustrationsintoleranz in Bezug auf Futter (Fressbares) nachhaltig vor.
Kastration
über den Einfluss der Geschlechtshormone, den Auswirkungen auf das Verhalten des Hundes und der gängigen Methode der Fortpflanzungsverhütung
Die Kastration des Hundes zählt zu den umstrittensten Themen in Hundehalterkreisen. Sie dient schon seit vielen Jahren in erster Linie der Fortpflanzungsverhütung beider Geschlechter. Eine risikoreduzierende Wirkung auf die Entstehung von geschlechtshormonabhängigen Krebsarten und die gewünschte Beeinflussung von problematischen Verhaltensweisen des Hundes scheinen weiters schlagkräftige Argumente für eine Kastration des Hundes zu sein.
Die Kastration sollte jedoch nicht, wie so oft, pauschal befürwortet, der Entschluss dazu nicht leichtfertig gefasst werden. Jeder Hundehalter sollte sich ausreichend über das Thema informieren und individuell abwägen, bevor er sich für die Kastration seines Hundes entscheidet.
Sterilisation, Kastration und Kastrations-Chip (Hormonchip)
Irrtümlicherweise glauben manche Menschen auch heute noch, dass weibliche Tiere sterilisiert und Männliche kastriert werden. Es bedarf also bereits an dieser Stelle noch an Aufklärung.
Geschlechtshormone werden mitunter in den Geschlechtsorgangen (Gonaden) gebildet und freigesetzt. Aber auch in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und der Nebennierenrinde werden weibliche und männliche Geschlechtshormone produziert und stehen dem Körper von dort aus zur Verfügung.
Bei der Kastration werden die weiblichen oder männlichen Geschlechtsorgane (Eierstöcke, Hoden) operativ entfernt, wodurch eine Hormonbildung durch diese gestoppt wird. Bei der Sterilisation werden Samenleiter bzw. Eileiter operativ durchtrennt. Die hormonbildenden Organe (Eierstöcke, Hoden) verbleiben im Körper. Dies verhindert die unerwünschte Fortpflanzung des Tieres, die Hormonbildung und ihre Freisetzung durch Geschlechtsorgane bleibt jedoch uneingeschränkt aufrecht. Durch Setzen des Kastrations-Chips wird die Bildung der Geschlechtshormone durch die Geschlechtsorgane chemisch unterdrückt und stellt eine zeitlich begrenzte Kastration (bislang nur beim männlichen Tier) dar.
Der Zyklus der Hündin
Der Zyklus der Hündin ist begleitet durch eine Phase, in der es zu kurzer, heftiger hormoneller Aktivität kommt, gefolgt von einer Phase, in der der angestiegene Hormonspiegel langsam wieder abklingt und einer länger andauernden hormonellen Ruheperiode:
Proöstrus (Voröstrus)
Der Voröstrus dauert bei der Haushündin etwa 3-4 Wochen, in der der Östrogenspiegel ansteigt und die Eizellen reifen. Verhaltenstechnisch fängt die Hündin an öfter zu markieren, das Interesse an Rüden steigt zunehmend und Werbe- und Balzverhalten werden häufiger. Am Ende des Proöstrus setzt die Blutung ein, die Läufigkeit beginnt.
Östrus (Läufigkeit)
Der Östrogenspiegel ist in dieser Phase am höchsten, es kommt zum Eisprung. Die Hündin zeigt sexuell motiviertes Verhalten. Am Höhepunkt der Läufigkeit - der Standhitze ("Stehtage") - ist die Hündin bereit für den Deckakt und nimmt bei leichter Berührung der Schwanzwurzel eine Paarungsaufforderungsstellung ein. In dieser Zeit ist die Hündin für gewöhnlich aggressiver gegenüber anderen Hündinnen und rangtiefen oder unerwünschten Rüden.
Durch das aktive Gelbkörperhormon steigt der Progesteronspiegel an und es kommt bei fehlender Befruchtung des Eies zur Scheinträchtigkeitsphase. Die Hündin zeigt sich nicht selten anhänglicher, ruhiger und häuslicher.
Etwa 2 Monate nach der Standhitze steigt der Prolaktinspiegel an, die Hündin befindet sich in der Phase der Scheinmutterschaft. Es kommt zur Anschwellung des Gesäuges und ggf. zum Milcheinschuss. Die Hündin zeigt auffällig mütterliches Verhalten, möchte das Zuhause nicht mehr gern verlassen und (be-)hütet Spielzeug und Kuscheltiere. Dieses Verhalten kann in dieser Zeit auch durch äußere Reize, die das Kindchenschema erfüllen, ausgelöst werden (z. B. Anwesenheit, Anblick, Geräusche und Geruch eines Babies, Tierbabies oder Jungtieres, usw.). Durch Wechselwirkungen mit anderen Hormonen kann es zur Stressanfälligkeit, Ängstlichkeit und Nervosität kommen.
Anöstrus
Im Anöstrus ist die hormonelle Aktivität der Hündin am geringsten. Ihr Hormonhaushalt stabilisiert sich, die Hündin präsentiert sich mit ihrem bekannten Normalverhalten.
Wirkungen von Hormonen und Botenstoffen und ihre Auswirkung auf das Verhalten
Die Auswirkungen der Geschlechtshormone auf das Verhalten sind abhängig von ihrem Verhältnis zueinander und zu anderen Hormonen bzw. Botenstoffen des Nervensystems. Zu unterschiedlichen Anteilen werden sie, wie bereits erwähnt, in bestimmten hormonbildenden Organen produziert. Wie alles im funktionierenden Organismus, erfüllen sie bestimmte Funktionen:
Östrogene (Östradiol) - Weibliche Sexualhormone werden unter der Sammelbezeichnung Östrogene zusammengefasst. Sie bewirken Eireifung, Eisprung und steuern weibliches Sexualverhalten.
Progesteron - Das sogenannte "Schwangerschaftshormon" bereitet die Gebärmutter auf die Einnistung des Eies vor. Es bewirkt eine Verminderung der Aktivität, sorgt für Gewichtszunahme und ist verantwortlich für die echte Scheinschwangerschaft (Scheinträchtigkeit).
Prolaktin - Die Bildung des sogenannten "Elternhormons" erfolgt in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) weiblicher und männlicher Tiere. Es bewirkt Milchbildung, elterliches Brutpflegeverhalten und Jungtierverteidigung.
Schwankungen und Wechselwirkungen des Östradiol- und Progesteronspiegels können zu einer Zunahme von Unsicherheit, Ängstlichkeit, Depression und stressbedingter Aggressivität während der Läufigkeit führen (Progesteronphase) oder während der Scheinträchtigkeit durch die des Prolaktins begünstigt werden (Prolaktinphase). Weiters steht es mit Testosteron und Cortisol in gegenseitiger Wechselwirkung.
Testosteron - Die Bildung von Testosteron erfolgt zum größten Teil in den Geschlechtsorganen, zu einem kleinen Anteil in der Nebennierenrinde männlicher und weiblicher Tiere. Testosteron wird in Östrogen (Östradiol) umgewandelt, weshalb männliche Tiere auch weibliche Merkmale aufweisen können und umgekehrt. Als "Hormon des sozialen Erfolges" sorgt es für Werbe- und Balzverhalten und die Sicherung des erworbenen Sozialstatus. Es beeinflusst Selbstbewusstsein positiv durch seine angstlösende Wirkung und steuert dadurch Stress (Cortisol) entgegen. Markierverhalten, Herumstreunen und territoriale Verhaltensweisen werden bereits vorgeburtlich im letzten Drittel der Trächtigkeit, in der Embryonalphase, bei Rüden als auch Hündinnen bestimmt und unterliegen nicht der aktuellen Konzentration des Testosterons.
Vasopressin - Vasopressin wird in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) weiblicher und männlicher Tiere gebildet und erfüllt einige biologische Funktionen im Organismus eines Säugetieres. Beispielsweise sorgt es für Zurückhaltung von körpereigenen Salzen und Flüssigkeiten, steigert somit den Blutdruck und ermöglicht das Erkennen von Entzündungsfaktoren über das Jacobsonsche Organ (Riechorgan) beim Hund. Im Zusammenhang mit dem Sexualverhalten (aber auch außerhalb des Sexualverhaltens) ist Vasopressin in Zusammenarbeit des Jacobsonschen Organs und dem limbischen System (emotionaler Teil des Gehirns) für die Erkennung individueller Bindungspartner verantwortlich, sorgt durch Verbindungen mit Noradrenalin ("Kampfhormon") für Eifersuchtsreaktionen und Schutzverhalten von Bindungspartnern.
Oxytocin - Das sogenannte "Kuschel- und Bindungshormon" Oxytocin leitet über Wehentätigkeit die Geburt ein, sorgt für Milcheinschuss und die persönliche Erkennung der Jungtiere. Darüber hinaus hat es positive Wirkungen auf das Wohlbefinden von Bindungspartnern über Kuscheln und anderen positiven Sozialkontakten. Es wird in der Hirnanhangsdrüse aus Vasopressin gebildet, die positiven Seiten von Bindung, Wohlbefinden und Zuneigung stehen also Eifersucht und Schutzverhalten gegenüber - keine Bindung ohne Eifersucht.
Dopamin - Als "Selbstbelohnungsdroge" mit Suchtpotential sorgt Dopamin für freudige Erwartungen, verstärkt selbsterarbeitete Lernerfolge und erhöht das Lustgefühl. Es wirkt in vielerlei Bereichen (z. B. Jagdverhalten), steht in Wechselwirkung mit Vasopressin, Noradrenalin, Oxytocin und Cortisol und ist am Sexualverhalten mitbeteiligt. Sexuell motiviertes Aufreiten steht im Zusammenhang des Dopaminhaushaltes.
Endorphine - Als körpereigene "Glückshormone" dämpfen sie u. a. das subjektive Schmerzempfinden, erhöhen Ausdauer, sorgen für Glücksempfinden und wirken verstärkend auf suchterzeugende Tätigkeiten.
Noradrenalin - Das "Kampfhormon" mobilisiert Kräfte und Energiereserven in akuten Situationen und darüber hinaus (Stressreaktionen). Darüber hinaus wirkt es lernverstärkend und erhöht die Produktion von Sexualhormonen. Eine medikamentöse Behandlung der scheinträchtigen Hündin mit dem Wirkstoff Cabergolin aktiviert das Adrenalin- und Noradrenalinsystem und kann somit zur Übersteuerung des aktiven Kampf- und Fluchtsystems führen.
Cortisol - Das "passive Stresshormon" ("Kontrollverlusthormon") sorgt für die Bereitstellung von Energiereserven in akuten Situationen und darüber hinaus (Stressreaktion), aktiviert weiter das Noradrenalinsystem, wirkt sich negativ auf das subjektive Wohlbefinden aus und beeinflusst Sexualhormone bzw. das Sexualverhalten. Zu seinen nennenswerten Gegenspielern zählen Oxytocin, Serotonin und Testosteron.
Serotonin - Das körpereigene "Wohlfühlhormon" beeinflusst viele biologische Funktionen, wie etwa u. a. Stressreaktionen, Schlafverhalten, das eigene Wohlbefinden und wirkt sich somit auf das Sexualverhalten aus.
Im Übrigen stehen auch weitere Hormone und Botenstoffe in gegenseitiger Wechselwirkung und beeinflussen Sozial- und Sexualverhalten des Tieres.
Die Entscheidungsfrage
Geschlechtshormone unterliegen gemeinsam mit anderen Hormonen und Botenstoffen einem Regelkreislauf und stehen zueinander in gegenseitiger Wirkung und Wechselwirkung, dessen Steuerung in Bereichen des Gehirns stattfinden. Manche Verhaltensweisen sind weniger abhängig von ihrer absoluten, aktuellen Konzentration sondern von ihrer gegenseitigen Beeinflussung, Wirkung und Wechselwirkung. So wird klar, dass eine Kastrationsempfehlung nicht pauschal erfolgen sollte.
Unsicherheit ist ein Persönlichkeitsmerkmal, dessen Anlage bereits während der embryonalen Entwicklung des Welpen vorherbestimmt ist. Geschlechtshormone haben im Allgemeinen einen angstlösenden Nebeneffekt auf den Organismus ("Gegenspieler" des passiven Stresshormons Cortisol). Durch den Wegfall von Geschlechtshormonen (Kastration) können, bedingt durch den gesteuerten Regulationskreislauf (Stresskaskade), allgemeine Stressanfälligkeit und damit verbundene Verhaltensweisen begünstigt werden. Dies ist jedoch abhängig von vielen weiteren Faktoren, wie etwa von sozialen Erfahrungswerten (Erfahrungspuffer), Bewältigungsstrategien des Hundes und der Führungsweise des Halters. Eine Kastration wirkt sich daher nicht unbedingt immer positiv auf Selbstbewusstsein und persönliche Belastbarkeit (Resilienz) des Hundes aus.
Auch rüpelhaftes Verhalten, Markierverhalten, Aggressionsverhalten und territoriale Verhaltensweisen (bei Rüde und Hündin) werden sehr früh, bereits in der vorgeburtlichen Entwicklungsphase des Welpen, gelegt und vorherbestimmt. Eine Kastration wirkt sich daher selten auf genannte Verhaltensweisen außerhalb sexueller Motivation aus. Selbst das Aufreiten kann nicht pauschal der Hypersexualität zugeordnet werden. Es kann sich um ein erlerntes Bewegungsmuster (Bewegungsstereotypie) handeln, das nur in seltenen Fällen durch Kastration behoben werden kann.
Fazit:
Handelt es sich um typische Verhaltensweisen, die in direktem Bezug sexuell motivierten Verhaltens stehen (z. B. Unruhe, Partnersuche, Konkurrenzverhalten bzw. Aggression in Anwesenheit eines potentiellen Konkurrenten oder Paarungspartners) oder beruhen sie auf Rangordnungsunklarheiten, kann eine Kastration das Verhalten des Hundes bzw. der Hündin in erwünschter Weise beeinflussen. Die Rangordnungsstruktur des Hunderudels (z. B. im Mehrhundehaushalt) sollte jedoch berücksichtigt werden (Kastration des Rangniedrigeren!). Werden Verhaltensweisen außerhalb sexuell bezogener Motivation bzw. während des Anöstrus (Hündin) gezeigt, werden sie nur selten durch Kastration positiv beeinflusst.
So sollte eine genaue Beobachtung des Hundes und intensive Beratung des Halters stattfinden, um Vor- und Nachteile einer Kastration abzuwägen.
Der Kastrationszeitpunkt
Wenn der Entschluss feststeht, Vor- und Nachteile gründlich und individuell abgewogen wurden, empfiehlt es sich, den Zeitpunkt der Kastration zu berücksichtigen und zu planen.
Während körperlicher und geistiger Entwicklungsphasen des Hundes entwickelt sich auch sein Stoffwechsel (Hormon- und Botenstoffsystem). In dieser Zeit kommt es vermehrt immer wieder zu neuronalen Auf- und Umbauprozessen, dadurch bedingt zu einem hormonellen Ungleichgewicht, verstärkter gegenseitiger Wirkung und Wechselwirkung von Hormonen und Botenstoffen des Nervensystems und damit verbundenen Verhaltensweisen und Symptomen (Welpenentwicklung, Pubertät, Haut- und Fellbeschaffenheit,...). Auch Knorpel, Sehnen, Bänder und Bindegewebe sind während der körperlichen Entwicklungsphase, sowie während des Proöstrus und Östrus der Hündin, weicher, schwächer und instabiler. Eine Kastration während der geistiger und körperlicher Entwicklungsphasen, sowie bestimmter Zyklusphasen der Hündin, kann daher zu Inkontinenz, Problemen mit dem Bewegungsapparat, dauerhaft struppigem, glanzlosem, strohigem Fell, übermäßigem Haarverlust und Hautproblemen (Talgdrüsen) führen und dementielle Entwicklungen (Demenzerkrankung) begünstigen. Es empfiehlt sich daher eine Kastration nach Möglichkeit erst nach beendeter körperlicher und geistiger Entwicklung bzw. im Anöstrus der Hündin durchführen zu lassen.
(Quellen und Literaturhinweise finden Sie unter "Über mich und meine Tiere / Literaturempfehlungen / Hunde")
Stress, Umgangsmethoden und Resilienz und ihre Zusammenhänge
über die biologisch sinnvolle Art von Bewältigungskompetenzen, ihre möglichen Auswirkungen und der Umgang mit Stressoren
Herausforderungen des Lebens begegnen
Jedes Lebewesen hat sich im Laufe seiner Entwicklung an die Umwelt, in der es lebt, angepasst. Ihre "Werkzeuge", die ihnen von der Natur aus mitgegeben wurden, befähigen sie, ihren Lebensalltag mit all seinen Herausforderungen bestreiten zu können. Ihre Sinnesorgane wurden adaptiert, ihr Körper an das vorherrschende Klima und ihr Verdauungssystem an das vorhandene Nahrungsangebot angepasst (je nach Tierart, genetischer Faktoren, Zuchtselektion und geografischer Herkunft). Sie entwickelten besondere Jagdtechniken und auch Verhaltensweisen, die sie selbst vor (möglichen) Gefahren schützen.
Das Leben ist von biologischen Prozessen bestimmt, die den Fortbestand eines Lebewesens sicherstellen. Innere und äußere Faktoren (Reize) führen zu vollautomatisierten Anpassungsreaktionen des Organismus, die einem Regulationskreislauf unterliegen. So werden beispielsweise Herz-Kreislaufsystem und Organfunktionen aufrecht erhalten und angekurbelt, Emotionen schützen das Tier vor (möglichen) Gefahren oder erhöhen seine Konkurrenzfähigkeit (Motivation u. innerer Antrieb). Die Steuerung der Abläufe wird vom Zentralnervensystem übernommen. Aus Schutz vor Überflutung eingehender Reize werden diese nach ihrer Relevanz gefiltert (Thalamus) und zur Weiterverarbeitung an andere Bereiche des Gehirns weitergeleitet, in denen ihre Bewertung und Anpassungsreaktion stattfindet (limbisches System - emotionale Bewertung, Hypothalamus - Hormonsystem). Weitere Abläufe wie etwa Denk-, Handlungs- und Problemlösungsprozesse werden in Gang gesetzt (Kleinhirn, Großhirnrinde).
Stress und seine Auswirkungen
Innere (endogene) und äußere (exogene) Faktoren, die zu aktivierten Anpassungsreaktionen führen, werden als Stressoren bezeichnet. Diese können körperlicher, emotionaler, sozialer oder mentaler Natur sein.
Stress dient also der Situationsanpassung eines Individuums. Unterschieden wird hierbei zwischen Eustress, der in Momenten kurzfristiger Anpassung für das Individuum bewältigbar ist, und Distress, der aus langfristigen oder immer wiederkehrenden Anpassungsereignissen heraus zu Überbelastungen des Organismus führt und eine Überforderung auf emotionaler, kognitiver und körperlicher Ebene darstellt. Kann Stress nicht vollständig abgebaut werden, summieren sich Stressoren auf, das Stressniveau bleibt dauerhaft hoch und die Überbelastung bleibt bestehen. Dies wirkt sich negativ auf Immunsystem, Gesundheit, Schlaf, Denk- und Lernprozesse, Leistungsfähigkeit, Wohlbefinden und Sozialverhalten aus. Gesteigerte Alarm- und Reaktionsbereitschaft, erhöhte Reizbarkeit und Sensibilität (beispielsweise auf Umweltreize), eine veränderte subjektive Bewertung auf emotionaler Ebene wie etwa ängstliche oder aggressive Reaktionen (limbisches System), verändertes (vermindertes) Schlafverhalten, impulsives Verhalten, verminderte Konzentrationsfähigkeit und ein erhöhtes Verletzungsrisiko sind die Folgen. Auch können innere Unruhe, Angespanntheit, überschwängliches Verhalten, situationsbedingte Futterverweigerung, Verdauungsprobleme (Durchfall), Haut- und Fellprobleme oder eine erhöhte Anfälligkeit für Erkrankungen, wie etwa Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen, können mitunter infolge von Stress auftreten.
Der Umgang mit Stress
Um Überbelastungen, Erschöpfungszuständen und ihren Auswirkungen vorzubeugen, ist es nötig Stress bzw. Stressoren abzubauen und für ausreichende Erholungsphasen zu sorgen. Ausreichend Schlaf von mindestens 17 Stunden täglich möglichst ohne Außenreize, ausgewogene, angepasste Ernährung und adäquate Beschäftigung zum Ausgleich stellen, neben dem Ausschluss und der Behandlung körperlicher Ursachen wie etwa Schmerzen und Erkrankungen, die Basis dar. Ein souveräner Umgang erscheint unumgänglich.
Die Fähigkeit mit Stress umzugehen (Resilienz) ist individuell zu betrachten und auf epigenetische, genetische, vor- und frühgeburtliche Ursachen, sowie Erfahrungen (Erziehungs- und Umgangsmethoden, Lernerfahrungen) zurückzuführen. Besonders prägende Auswirkungen entstehen durch neuronale Verknüpfungen in bestimmten Entwicklungsphasen, wie etwa dem (frühen) Welpenalter oder der Pubertät. Eine gute, positive Sozialisierung auf Umweltreize, bei der der Hund mit kleinen bewältigbaren Herausforderungen (ohne Überforderungen) konfrontiert wird, erhält große Relevanz. Unsicherheiten, wie sie etwa in entwicklungsbedingten Angstphasen auftreten können, dürfen hierbei nicht außer Acht gelassen werden.