Hunde

Informationen

zu Hunden und ihrer Haltung

Das Bewusstsein der Menschen hat sich glücklicherweise im Laufe der Zeit verändert, artgerechte Haltung hat an Wert zugenommen. Mir liegt es am Herzen Tierhalter aufzuklären und so zu einem besseren Verständnis, einem harmonischen Miteinander und zur Gesundheit Ihres Tieres beizutragen. Deshalb habe ich die grundlegendsten Themen zu Hunden und ihrer Haltung hier für Sie zusammengefasst.

Lernverhalten und Erziehungsmethoden

von Lerntheorien über Erziehungsmethoden zum harmonischen Miteinander 

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Der Organismus eines Säugetieres unterliegt automatisierten physiologischen und neurophysiologischen Abläufen, dessen Steuerung vom Gehirn übernommen wird. Dies ermöglicht es ihm, komplexe Aufgaben und Lebenssituationen zu bewerkstelligen und sein Leben und Überleben sicherzustellen.
Jedes Verhalten erfüllt eine bestimmte Funktion (Motivation, innerer Antrieb) und folgt einer natürlichen Kosten-Nutzen-Bilanz (biologische Fitness). Das Lernverhalten des Hundes bedeutet eine Ansammlung von Erfahrungswerten, welche als positive oder negative Erfahrung abgespeichert werden. Es kann anhand der Lerntheorien erklärt werden:

Lernen nach Versuch und Irrtum (E. L. Thorndike) bezeichnet das Lernen anhand der Erfahrung über Erfolg und Misserfolg angewandter Verhaltensstrategien.

Diskriminationslernen bezeichnet die Fähigkeit, (feine) Unterschiede herauszufiltern, ihre Gesetzmäßigkeit anhand von Erfahrungen herauszufinden und über diese zu lernen (Unterscheidungslernen).

Imitationslernen bezeichnet das Lernen über Nachahmung. Hunde lernen von ihren Elterntieren, Geschwistern, anderen Artgenossen und anderen Lebewesen notwendige, brauchbare, erwünschte sowie unerwünschte Verhaltensweisen (Vorbildfunktion). Dieser Fähigkeit folgt der Trainingsansatz "Do as I do - mach es mir nach", dessen Interesse im Hundetraining sich steigender Beliebtheit erfreut.

Klassische Konditionierung (I. Pawlow) bezeichnet die Form emotionalen Lernens. Nach der Verknüpfung mit einem zunächst neutralen Reiz löst dieser in weiterer Folge Gefühle und Assoziationen aus. Die daraus resultierenden Reaktionen sind willentlich nicht steuerbar. Ausgelöste Gefühle wirken sich also in zweiter Linie auf das Verhalten aus und beeinflussen dieses, wobei negative Emotionen unwillkürlich negative Reaktionen hervorbringen.

Die weltbekannten Versuche mit Hunden von Iwan Pawlow begründeten die Lerntheorie der klassischen Konditionierung (Glocke - Futter, Glocke - Speichelfluss). Manches Angstverhalten und konditionierte Entspannungsmethoden basieren auf dieser Art des Lernens, aber auch im Clickertraining findet sich ihre Anwendung (Aufbau des Clickers/Markers). 

Operante (oder instrumentelle) Konditionierung (B. F. Skinner) bezeichnet das Lernen anhand der Konsequenz eines Verhaltens. Die 4 möglichen Konsequenzen (Quadranten) der operanten Konditionierung sind:

  • positive Verstärkung: 

        etwas Angenehmes wird hinzugefügt (fungiert als Belohnung) - Verhalten wird mehr

  • negative Strafe: 

        etwas Angenehmes wird weggenommen (fungiert als Strafe) - Verhalten wird weniger

  • negative Verstärkung:

        etwas Unangenehmes wird weggenommen (fungiert als Belohnung) - Verhalten wird mehr

  • positive Strafe:

        etwas Unangenehmes wird hinzugefügt (fungiert als Strafe) - Verhalten wird weniger

Eine Belohnung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Verhalten öfter gezeigt wird, Strafe erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Verhalten seltener gezeigt wird. Ob ein Lebewesen nun etwas als "Belohnung" (Verstärkung) oder "Strafe" empfindet, sich sein Verhalten daher reduziert oder häuft, richtet sich nach seinen individuellen Bedürfnissen, seiner aktuellen Motivation und seiner Erfahrungen.

Durch Strafmaßnahmen scheint das Tier schneller zu lernen, wenn diese Strafmaßnahmen individuell heftig genug durchgeführt werden (Kosten-Nutzen-Bilanz). Körperliches und psychisches Wohlbefinden (Unversehrtheit) stellen die biologisch sinnvolle Begründung dafür dar, mit der obersten Priorität eines jeden Organismus, sein Leben und Überleben (und das seiner Nachkommen) sicherzustellen.
Die Anwendung positiver Strafe als Erziehungsmethode erscheint in Ausnahmefällen vertretbar, nämlich dann, wenn der Hund ein Verhalten das allererste mal zeigt, welches zu weiteren gröberen Schwierigkeiten oder Verletzungen führen kann und eine Gefahr für ihn oder seine Umwelt darstellt.

Voraussetzungen für die Anwendung positiver Strafe (nach Steve White) :
Die Strafe muss etwas sein, das das Tier nicht mag, nicht erwartet und muss das Verhalten unterdrücken (Definition von Strafe). Sie muss daher in der richtigen Intensität stattfinden, sonst können Widerstand und Gewöhnungseffekte entstehen. Das Tier muss die Strafe mit dem falschen, unerwünschten Verhalten in Verbindung bringen. Der Zeitpunkt der Konsequenz muss also so präzise wie möglich eingehalten werden und sofort nach dem Verhalten erfolgen (Timing). Zudem muss die Strafe jedes mal erfolgen, wenn das falsche, unerwünschte Verhalten gezeigt wird. Sie sollte gegenüber der Belohnung jedoch nicht überwiegen. Es sollte eine Möglichkeit für das Tier gegeben sein, der Strafe entgehen zu können, was alternative Verhaltensweisen und die Ankündigung der bevorstehenden Strafe als wichtig erscheinen lässt.

So kann die Anwendung positiver Strafe so einige unerwünschte Nebenwirkungen nach sich ziehen.

mögliche Nebenwirkungen positiver Strafe (nach Pat Miller) :
Oftmals ist es sehr schwierig die "richtige" Intensität der Strafe abzuschätzen und einzuhalten. Dies kann zu Schmerzen, Schäden, oder zur Gewöhnung an Strafreize bzw. Widerstand des Hundes führen. Da es sehr schwierig ist den richtigen Zeitpunkt der Strafe immer konsequent einzuhalten, kann das falsche, unerwünschte Verhalten wieder auftreten. Die unterdrückende Wirkung der Strafe ist auf relevante Reize beschränkt, z. B. auf die Anwesenheit und unmittelbare Nähe des Halters. Nicht nur, dass positive Strafe Gewalt erzeugt und belohnend auf die strafende Person wirkt, sie kann das Vertrauen des Hundes zum Menschen und die Beziehung zum Halter nachhaltig schädigen. Positive Strafe lehrt den Hund nicht was er anstatt des falschen, unerwünschten Verhaltens tun soll. Sie kann den Hund verunsichern, sodass auch erwünschte Verhaltensweisen gehemmt und unterdrückt werden.
 
Da die Voraussetzungen positiver Strafe nicht ausreichend erfüllt werden können und Nebenwirkungen unberechenbar groß sind, ist von ihrer Anwendung grundsätzlich abzuraten! Vielmehr ist es empfehlenswert, dem Tier unter Berücksichtigung seiner Art und seiner Bedürfnisse erwünschtes Verhalten beizubringen, dabei fair zu bleiben, faire Regeln im gemeinsamen Zusammenleben aufzustellen und souverän Grenzen klar aufzuzeigen. 

Kastration

über den Einfluss der Geschlechtshormone, den Auswirkungen auf das Verhalten des Hundes und der gängigen Methode der Fortpflanzungsverhütung

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Die Kastration des Hundes zählt zu den umstrittensten Themen in Hundehalterkreisen. Sie dient schon seit vielen Jahren in erster Linie der Fortpflanzungsverhütung beider Geschlechter. Eine risikoreduzierende Wirkung auf die Entstehung von geschlechtshormonabhängigen Krebsarten und die gewünschte Beeinflussung von problematischen Verhaltensweisen des Hundes scheinen weiters schlagkräftige Argumente für eine Kastration des Hundes zu sein.
Die Kastration sollte jedoch nicht, wie so oft, pauschal befürwortet, der Entschluss dazu nicht leichtfertig gefasst werden. Jeder Hundehalter sollte sich ausreichend über das Thema informieren und individuell abwägen, bevor er sich für die Kastration seines Hundes entscheidet.

Sterilisation, Kastration und Kastrations-Chip (Hormonchip)
Irrtümlicherweise glauben manche Menschen auch heute noch, dass weibliche Tiere sterilisiert und Männliche kastriert werden. Es bedarf also bereits an dieser Stelle noch Aufklärungsbedarf.

Geschlechtshormone werden mitunter in den Geschlechtsorgangen (Gonaden) gebildet und freigesetzt. Aber auch in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und der Nebennierenrinde werden weibliche und männliche Geschlechtshormone produziert und stehen dem Körper von dort aus zur Verfügung.
Bei der Kastration werden die weiblichen oder männlichen Geschlechtsorgane (Eierstöcke, Hoden) operativ entfernt, wodurch eine Hormonbildung durch diese gestoppt wird. Bei der Sterilisation werden Samenleiter bzw. Eileiter operativ durchtrennt. Die hormonbildenden Organe (Eierstöcke, Hoden) verbleiben im Körper. Dies verhindert die unerwünschte Fortpflanzung des Tieres, die Hormonbildung und ihre Freisetzung durch Geschlechtsorgane bleibt jedoch uneingeschränkt aufrecht. Durch Setzen des Kastrations-Chips wird die Bildung der Geschlechtshormone durch die Geschlechtsorgane chemisch unterdrückt und stellt eine zeitlich begrenzte Kastration (bislang nur beim männlichen Tier) dar.

Der Zyklus der Hündin
Der Zyklus der Hündin ist begleitet durch eine Phase, in der es zu kurzer, heftiger hormoneller Aktivität kommt, gefolgt von einer Phase, in der der angestiegene Hormonspiegel langsam wieder abklingt und einer länger andauernden hormonellen Ruheperiode:

Proöstrus (Voröstrus)
Der Voröstrus dauert bei der Haushündin etwa 3-4 Wochen, in der der Östrogenspiegel ansteigt und die Eizellen reifen. Verhaltenstechnisch fängt die Hündin an öfter zu markieren, das Interesse an Rüden steigt zunehmend und Werbe- und Balzverhalten werden häufiger. Am Ende des Proöstrus setzt die Blutung ein, die Läufigkeit beginnt.

Östrus (Läufigkeit)
Der Östrogenspiegel ist in dieser Phase am höchsten, es kommt zum Eisprung. Die Hündin zeigt sexuell motiviertes Verhalten. Am Höhepunkt der Läufigkeit - der Standhitze ("Stehtage") - ist die Hündin bereit für den Deckakt und nimmt bei leichter Berührung der Schwanzwurzel eine Paarungsaufforderungsstellung ein. In dieser Zeit ist die Hündin für gewöhnlich aggressiver gegenüber anderen Hündinnen und rangtiefen oder unerwünschten Rüden.
Durch das aktive Gelbkörperhormon kommt es bei fehlender Befruchtung des Eies zur Scheinträchtigkeitsphase, bei der der Progesteronspiegel ansteigt. Die Hündin zeigt sich nicht selten anhänglicher, ruhiger und häuslicher.
Etwa 2 Monate nach der Standhitze steigt der Prolaktinspiegel an, die Hündin befindet sich in der Phase der Scheinmutterschaft. Es kommt zur Anschwellung des Gesäuges und ggf. zum Milcheinschuss. Die Hündin zeigt auffällig mütterliches Verhalten, möchte das Zuhause nicht mehr gern verlassen und (be-)hütet Spielzeug und Kuscheltiere. Dieses Verhalten kann in dieser Zeit auch durch äußere Reize, die das Kindchenschema erfüllen, ausgelöst werden (z. B. Anwesenheit, Anblick, Geräusche und Geruch eines Babies, Tierbabies oder Jungtieres, usw.). Durch Wechselwirkungen mit anderen Hormonen kann es zur Stressanfälligkeit, Ängstlichkeit und Nervosität kommen.

Anöstrus
Im Anöstrus ist die hormonelle Aktivität der Hündin am geringsten. Ihr Hormonhaushalt stabilisiert sich, die Hündin präsentiert sich mit ihrem bekannten Normalverhalten.

Wirkungen von Hormonen und Botenstoffen und ihre Auswirkung auf das Verhalten
Die Auswirkungen der Geschlechtshormone auf das Verhalten sind abhängig von ihrem Verhältnis zueinander und zu anderen Hormonen bzw. Botenstoffen des Nervensystems. Zu unterschiedlichen Anteilen werden sie, wie bereits erwähnt, in bestimmten hormonbildenden Organen produziert. Wie alles im funktionierenden Organismus, erfüllen sie bestimmte Funktionen:

Östrogene (Östradiol) - Weibliche Sexualhormone werden unter der Sammelbezeichnung Östrogene zusammengefasst. Sie bewirken Eireifung, Eisprung und steuern weibliches Sexualverhalten. 

Progesteron - Das sogenannte "Schwangerschaftshormon" bereitet die Gebärmutter auf die Einnistung des Eies vor. Es bewirkt eine Verminderung der Aktivität, sorgt für Gewichtszunahme und ist verantwortlich für die echte Scheinschwangerschaft (Scheinträchtigkeit).

Prolaktin - Die Bildung des sogenannten "Elternhormons" erfolgt in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) weiblicher und männlicher Tiere. Es bewirkt Milchbildung, elterliches Brutpflegeverhalten und Jungtierverteidigung.
Schwankungen und Wechselwirkungen des Östradiol- und Progesteronspiegels können zu einer Zunahme von Unsicherheit, Ängstlichkeit, Depression und stressbedingter Aggressivität während der Läufigkeit führen (Progesteronphase) oder während der Scheinträchtigkeit durch die des Prolaktins begünstigt werden (Prolaktinphase). Weiters steht es mit dem Testosteron in gegenseitiger Wechselwirkung.

Testosteron - Die Bildung von Testosteron erfolgt zum größten Teil in den Geschlechtsorganen, zu einem kleinen Anteil in der Nebennierenrinde männlicher und weiblicher Tiere. Testosteron wird in Östrogen (Östradiol) umgewandelt. Als "Hormon des sozialen Erfolges" sorgt es für Werbe- und Balzverhalten und die Sicherung des erworbenen Sozialstatus. Es beeinflusst Selbstbewusstsein positiv durch seine angstlösende Wirkung. Markierverhalten, Herumstreunen und territoriale Verhaltensweisen werden bereits vorgeburtlich im letzten Drittel der Trächtigkeit, in der Embryonalphase, bei Rüden als auch Hündinnen bestimmt und unterliegen nicht der aktuellen Konzentration des Testosterons. 

Vasopressin - Vasopressin wird in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) weiblicher und männlicher Tiere gebildet und erfüllt einige biologische Funktionen im Organismus eines Säugetieres. Beispielsweise sorgt es für Zurückhaltung von körpereigenen Salzen und Flüssigkeiten, steigert somit den Blutdruck und ermöglicht das Erkennen von Entzündungsfaktoren über das Jacobsonsche Organ (Riechorgan) beim Hund. Im Zusammenhang mit dem Sexualverhalten (aber auch außerhalb des Sexualverhaltens) ist Vasopressin in Zusammenarbeit des Jacobsonschen Organs und dem limbischen System (emotionaler Teil des Gehirns) für die Erkennung individueller Bindungspartner verantwortlich, sorgt durch Verbindungen mit Noradrenalin ("Kampfhormon") für Eifersuchtsreaktionen und Schutzverhalten von Bindungspartnern.

Oxytocin - Das sogenannte "Kuschel- und Bindungshormon" Oxytocin leitet über Wehentätigkeit die Geburt ein, sorgt für Milcheinschuss und die persönliche Erkennung der Jungtiere. Darüber hinaus hat es positive Wirkungen auf das Wohlbefinden von Bindungspartnern über Kuscheln und anderen positiven Sozialkontakten. Es wird in der Hirnanhangsdrüse aus Vasopressin gebildet, die positiven Seiten von Bindung, Wohlbefinden und Zuneigung stehen also Eifersucht und Schutzverhalten gegenüber - keine Bindung ohne Eifersucht.

Dopamin - Als "Selbstbelohnungsdroge" mit Suchtpotential sorgt Dopamin für freudige Erwartungen, verstärkt selbsterarbeitete Lernerfolge und erhöht das Lustgefühl. Es wirkt in vielerlei Bereichen (z. B. Jagdverhalten), steht in Wechselwirkung mit Vasopressin, Oxytocin und Cortisol und ist am Sexualverhalten mitbeteiligt. Sexuell motiviertes Aufreiten steht im Zusammenhang des Dopaminhaushaltes.

Endorphine - Als körpereigene "Glückshormone" dämpfen sie u. a. das subjektive Schmerzempfinden, erhöhen Ausdauer, sorgen für Glücksempfinden und wirken verstärkend auf suchterzeugende Tätigkeiten.

Noradrenalin - Das "Kampfhormon" mobilisiert Kräfte und Energiereserven in akuten Situationen und darüber hinaus (Stressreaktionen). Darüber hinaus wirkt es lernverstärkend und erhöht die Produktion von Sexualhormonen. Eine medikamentöse Behandlung der scheinträchtigen Hündin mit dem Wirkstoff Cabergolin aktiviert das Adrenalin- und Noradrenalinsystem und kann somit zur Übersteuerung des aktiven Kampf- und Fluchtsystems führen.

Cortisol - Das "passive Stresshormon" ("Kontrollverlusthormon") sorgt für die Bereitstellung von Energiereserven in akuten Situationen und darüber hinaus (Stressreaktion), wirkt sich negativ auf das subjektive Wohlbefinden aus und beeinflusst Sexualhormone bzw. das Sexualverhalten. Zu seinen nennenswerten Gegenspielern zählen Oxytocin, Serotonin und Testosteron.

Serotonin - Das körpereigene "Wohlfühlhormon" beeinflusst Stressreaktionen, das eigene Wohlbefinden und wirkt sich somit auf das Sexualverhalten aus.

Im Übrigen stehen auch weitere Hormone und Botenstoffe in gegenseitiger Wechselwirkung und beeinflussen Sozial- und Sexualverhalten des Tieres.

Die Entscheidungsfrage
Geschlechtshormone unterliegen gemeinsam mit anderen Hormonen und Botenstoffen einem Regelkreislauf und stehen zueinander in gegenseitiger Wirkung und Wechselwirkung, dessen Steuerung in Bereichen des Gehirns stattfinden. Manche Verhaltensweisen sind weniger abhängig von ihrer absoluten, aktuellen Konzentration sondern von ihrer gegenseitigen Beeinflussung, Wirkung und Wechselwirkung. So wird klar, dass eine Kastrationsempfehlung nicht pauschal erfolgen sollte.
Unsicherheit ist ein Persönlichkeitsmerkmal, dessen Anlage bereits während der embryonalen Entwicklung des Welpen vorherbestimmt ist. Geschlechtshormone haben im Allgemeinen einen angstlösenden Nebeneffekt auf den Organismus ("Gegenspieler" des passiven Stresshormons Cortisol). Durch den Wegfall von Geschlechtshormonen (Kastration) können, bedingt durch den gesteuerten Regulationskreislauf (Stresskaskade), allgemeine Stressanfälligkeit und damit verbundene Verhaltensweisen, begünstigt werden. Dies ist jedoch abhängig von vielen weiteren Faktoren, wie etwa von sozialen Erfahrungswerten (Erfahrungspuffer), Bewältigungsstrategien des Hundes und der Führungsweise des Halters. Eine Kastration wirkt sich daher nicht unbedingt immer positiv auf Selbstbewusstsein und persönlicher Belastbarkeit (Resilienz) des Hundes aus. 
Auch rüpelhaftes Verhalten, Markierverhalten, Aggressionsverhalten und territoriale Verhaltensweisen (bei Rüde und Hündin) werden sehr früh, bereits in der vorgeburtlichen Entwicklungsphase des Welpen, gelegt und vorbestimmt. Eine Kastration wirkt sich daher selten auf genannte Verhaltensweisen außerhalb sexueller Motivation aus. Selbst das Aufreiten kann nicht pauschal der Hypersexualität zugeordnet werden. Es kann sich um ein erlerntes Bewegungsmuster (Bewegungsstereotypie) handeln, das nur in seltenen Fällen durch Kastration behoben werden kann.

Fazit:
Handelt es sich um typische Verhaltensweisen, die in direktem Bezug sexuell motivierten Verhaltens stehen (z. B. Unruhe, Partnersuche, Konkurrenzverhalten bzw. Aggression in Anwesenheit eines potentiellen Konkurrenten oder Paarungspartners), oder beruhen sie auf Rangordnungsunklarheiten, kann eine Kastration das Verhalten des Hundes bzw. der Hündin in erwünschter Weise beeinflussen. Die Rangordnungsstruktur des Hunderudels (z. B. im Mehrhundehaushalt) sollte jedoch berücksichtigt werden (Kastration des Rangniedrigeren!). Werden Verhaltensweisen außerhalb sexuell bezogener Motivation bzw. während des Anöstrus (Hündin) gezeigt, werden sie nur selten durch Kastration positiv beeinflusst.
So sollte eine genaue Beobachtung des Hundes und intensive Beratung des Halters stattfinden, um Vor- und Nachteile einer Kastration abzuwägen.

Der Kastrationszeitpunkt
Wenn der Entschluss feststeht, Vor- und Nachteile gründlich und individuell abgewogen wurden, empfiehlt es sich, den Zeitpunkt der Kastration zu berücksichtigen und zu planen.
Während körperlicher und geistiger Entwicklungsphasen des Hundes entwickelt sich auch sein Stoffwechsel (Hormon- und Botenstoffsystem). In dieser Zeit kommt es vermehrt immer wieder zu neuronalen Auf- und Umbauprozessen, dadurch bedingt zu einem hormonellen Ungleichgewicht, verstärkter gegenseitiger Wirkung und Wechselwirkung von Hormonen und Botenstoffen des Nervensystems und damit verbundenen Verhaltensweisen und Symptomen (Welpenentwicklung, Pubertät, Haut- und Fellbeschaffenheit,...). Auch Knorpel, Sehnen, Bänder und Bindegewebe sind in körperlicher Entwicklungsphasen, sowie während des Proöstrus und Östrus der Hündin, weicher, schwächer und instabiler. Eine Kastration während der geistiger und körperlicher Entwicklungsphasen, sowie bestimmter Zyklusphasen der Hündin, kann daher zu Inkontinenz, Problemen mit dem Bewegungsapparat, dauerhaft struppigem, glanzlosem, strohigem Fell, übermäßigem Haarverlust und Hautproblemen (Talgdrüsen) führen und dementielle Entwicklungen (Demenzerkrankung) begünstigen. Es empfiehlt sich daher eine Kastration nach Möglichkeit erst nach beendeter körperlicher und geistiger Entwicklung bzw. im Anöstrus der Hündin durchführen zu lassen. 

(Quellen und Literaturhinweise finden Sie unter "Über mich und meine Tiere / Literaturempfehlungen / Hunde")





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Um mein Wissensrepertoire zu erweitern und Sie mit Ihrer Fellnase zukünftig noch besser betreuen und beraten zu können, habe ich mittlerweile mit der Ausbildung zum Hundefitness-Trainer begonnen. 
Ich freue mich, Sie und Ihren Liebling bald kennenlernen zu dürfen! 

 

 
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Bleiben Sie gesund und genießen Sie diese herausfordernde Zeit gemeinsam mit Ihrer Fellnase!


(letzte Aktualisierung: 22. 09. 2021)